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Stress - Kann man ihn wegatmen?

Einfach - unkompliziert - hoch effizient: Wenn die Natur Abläufe entwickelt, und die Evolution diese dann über etliche Jahrtausende weiterentwickelt und anpasst, sind diese perfekt ausbalanciert.

Ich denke, gerade weil sie so einfach funktionieren, und wie gewohnt und selbstverständlich ablaufen, erfahren sie kaum noch Beachtung in unserer modernen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die keine Zeit zu verschenken hat, oft auch nicht für sich selbst.

Ein solcher, extrem wichtiger Vorgang des Lebens ist unsere Atmung. Ein grandios durchdachter Ablauf, der im Wesentlichen vom autonomen Teil des Nervensystems angeregt wird. Und da die Atmung grundsätzlich automatisch abläuft, machen sich die allermeisten Menschen darüber kaum Gedanken, was dazu führt, dass eine überwiegende Zahl wirklich falsch atmet. Es gibt kaum eine Eigenreflexion über die Tiefe der Atmung, welche Muskeln dazu eingesetzt werden, oder welche Wirkung unterschiedliche Atemvorgänge in uns hervorrufen. Fakt ist dazu von Expertenseite, dass eine falsche Atmung massive Auswirkungen auf Wohlbefinden, Leistung und Gesundheitsstatus hat - eben auch, weil es ein essentieller Lebensfaktor ist, der permanent ausgeführt wird.

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Das "falsche" atmen

Zwangsläufige Fragen sind also, was falsches Atmen ist oder wie Sie es erkennen können, und wie das richtige Atmen abläuft, und wie Sie es wieder "einspielen" können. Denn die Natur hat uns alles dazu mitgegeben, und wieder einmal sind es die modernen Lebensgewohnheiten, die uns manipulieren und schrittchenweise vom ursprünglich Erworbenen abdriften lassen.

Eine gute Nachricht vorweg: Das richtige Atmen kann mit ein wenig Üben sehr einfach wieder erlernt und als Automatismus hinterlegt werden. Wer dabei motiviert ist, eignet sich noch unterschiedliche Techniken an, die zu passenden Situationen abgerufen werden können.

Hier greift wieder die umfassende Kompetenz des Schlafcoachings, denn der Blickwinkel auf das Thema Atmung ist verknüpft mit dem eigenen Stress- und Regenerationsmanagement.

Atmung ist nämlich ein absoluter und schnell wirkender Stressdämpfer. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Stresssituation z.B. dem beruflichen Alltag entspringt oder einer körperlichen Belastung, oder ob der Stressauslöser abrupt auftritt bzw. sich über eine Zeit aufbaut. Die richtige Atmung erzeugt für jede dieser Situationen eine sofortige Regeneration auf körperlicher wie mentaler Ebene, und dämpft so den Stresspegel schnell, wirksam, und ohne großen Aufwand. Der Effekt kann dabei enorm sein: Die Situation ist sofort "entspannt", es gibt keine Eskalation (auch innerlich nicht), die körperliche Erholung setzt unmittelbar ein, der herbeigeführte mentale Entspannungszustand verbessert die Lösungskompetenz in der als stressig empfundenen Situation. Entsprechend wird auf der hormonellen Ebene die Cortisolausschüttung sofort gebremst, und der Parasympathikus (der erholende, beruhigende Teil der Nervensystems) wird aktiviert. Die gesamte Wirkung auf Körper und Geist, die durch stressauslösende Alarmreize in Gang gesetzt wird, hat man also selbst besser im Griff. Schon allein dieses Bewußtsein spendet Sicherheit und Gelassenheit im Umgang mit den täglichen Anforderungen, und fördert eine stabile Balance zwischen Stress und Regeneration.

Die eigene Atmungsqualität

Die Bewertung der eigenen Atmungsqualität beginnt mit einer Eigenreflexion: Wie tief und lange atme ich ein bzw. aus? Welche Muskeln werden dabei beansprucht? Atme ich in den Bauch oder in die Brust? Schöpfe ich mein Lungenvolumen eigentlich aus, oder fülle ich nur einen Bruchteil meiner Lungen mit flachen Atemzügen? Behindert mich evtl. die Kleidung oder die übliche Sitzposition an einer tiefen Atmung über den Bauch? Reagiere ich in Stressmomenten mit Anspannung und oberflächlicher, kurzer Atmung? Ist meine Nase meist zu, und erlaubt so die wichtige Nasenatmung nicht oder nur sehr eingeschränkt? Und letztlich sind natürlich Verspannungen und Blockaden durch jahrelange Fehlhaltung oder Fehlbenutzung der Atemmuskulatur eine häufige Ursache für eine falsche Atmung. Hier ist dann unbedingt der Gang zu einem erfahrenen Physiotherapeuten angeraten, der körperliche Blockaden ertasten kann.

Beginnen sollten Sie mit der Atmung in den Bauch. Eine entspannte Sitz- oder Liegeposition in bequemer Kleidung unterstützt, und mit der Hand auf dem Bauch ist gut zu spüren, ob sich hier auch etwas tut. Die Atmung über die Nase ist sehr vorteilhaft, zum einen wegen der Vorreinigung und Vorerwärmung der Luft, und weil die Mundatmung eben als die Atmung für Stresssituationen hinterlegt ist. Bei verengten Luftwegen in der Nase kann hier ein Nasenpflaster Abhilfe schaffen. Erst wenn der Bauch angehoben ist, folgt die Brust noch zum weiteren Füllen der Lungen. Die Ausatmung erfolgt umgekehrt, ebenso langsam und gleichmäßig. Schon wenige dieser Atemzüge wirken beruhigend und entspannend. Die Übung dieser "Grundatmung" sollte so oft wie möglich ausgeführt werden, denn sie automatisiert sich mit der Zeit. Darauf aufbauend können weitere Techniken gut erlernt werden.

Auch über Apps lassen sich mittels akustischen Signalen einige Atemübungen trainieren, z.B. als Einschlafhilfe oder zum Einläuten der Regeneration nach sportlicher Betätigung.

Es existieren vielfältige Atemübungen, viele aus der Kunst des Yogas, mit denen wir uns enorm weiterentwickeln können, und in allen Bereichen des Lebens deutlich mehr Lebensqualität erfahren. Es fällt meist nicht schwer, diese Übungen zu trainieren, und nach wenigen Übungseinheiten motivieren die positiven Effekte, mehr davon zu wollen.

Die Atmung erfährt dabei wieder die Wertschätzung als lebensnotwendiger Teil unserer Existenz, erhöht unsere Achtsamkeit, und lenkt den Fokus auf die aktuelle Situation im Hier und Jetzt. Einfacher, unkomplizierter und effizienter kann Regeneration nicht sein.

Kontakt zum Autor

Weitere Infos zum Autor dieses Beitrages - FIT FOR SLEEP Schlaftrainer Reiner Binninger - finden sie hier. Dort können sie auch direkt Kontakt aufnehmen und ein unverbindliches und kostenfreies Gespräch buchen. 

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